Kulturelle Aneignung oder Kultureller Austausch?

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Kulturelle Aneignung oder Kultureller Austausch?

Niko, einer der Gründer von öKlo. Er hockt vor einigen öKlos auf dem Boden. Niko hat offene Dreadlocks, die bis zu seiner Hüfte reichen und lächelt in die Kamera.
Dürfen Japanerinnen ein Dirndl tragen, weiße Menschen Rastalocken haben oder Australier Tafelspitz kochen? Wo der kulturelle Austausch endet und die kulturelle Aneignung beginnt. Versuch einer Einordnung.

Wir alle tun es und finden nichts dabei – wir eignen uns Verhaltensweisen, Modetrends oder kulinarische Leckerbissen aus anderen Kulturen an, führen also ein multikulturelles Dasein. Wir sehen die Einflüsse als Bereicherung oder Erweiterung unseres Lebens an, als kulturellen Austausch. Wo aber endet dieser und wo beginnt die kulturelle Aneignung?

Kulturelle Aneignung: Was bedeutet das?

Laut Wikipedia versteht man unter kultureller Aneignung folgendes: „In einem engeren Sinn wird als ‚kulturelle Aneignung‘ angesehen, wenn Träger einer ‚dominanten Kultur‘ Kulturelemente einer ‚Minderheitskultur‘ übernehmen und sie ‚ohne Genehmigung, Anerkennung oder Entschädigung‘ in einen anderen Kontext stellen.“

Und hier beginnt nun natürlich ein Grenzgang – wer definiert und richtet darüber, was einfach Austausch ist und was bereits Aneignung? Vor allem aus der woken (dt. wach), linken Ecke werden über die sozialen Medien solche Debatten losgetreten. Mit den jüngsten Kritiken an weißen Musiker:innen mit Dreadlocks¹ oder der vermeintlich rassistischen Darstellung der indigenen Bevölkerung Amerikas bei Winnetou² sind sie wieder neu entflammt.

Ihren Ursprung hat die Cultural Appropriation, so der englische Ausdruck, in den USA. Durch die Tradition von Rassentrennung, Genozid und Sklaverei ist der Aufmerksamkeitslevel dort naturgemäß deutlich höher als in Europa. Bei uns könnte die Debatte durchaus als Luxusproblem durchgehen. Doch ganz so einfach ist es nicht.

Die Frage, ob weiße Menschen als Dominanzkultur Dreadlocks tragen dürfen, die bei der schwarzen Bevölkerung Ausdruck ihrer Spiritualität sind, ist im Grunde leicht zu beantworten. Beleidigen oder ignorieren wir dadurch eine Minderheit? Eignen wir uns ihre (Widerstands-)Kultur an, ohne selbst Unterdrückung, Ausbeutung oder Diskriminierung erlebt zu haben? Ja oder Nein?

Kulturelle Aneignung findet vor allem in kleinen Communities keinen Platz.
Kultureller Austausch in Gruppen geht meist von den Personen aus, deren Kultur mit Anderen geteilt wird. Foto: StockSnap auf Pixabay

Eine absurde Diskussion

Kulturelle Aneignung beginnt da, wo sich jemand einer Minderheit überlegen fühlt und sich deren kulturellen Errungenschaften aneignet, ohne die gesellschaftlichen Nachteile der Menschen erleben zu müssen. Wenn Europäer Rastalocken tragen, sich Japanerinnen in einem Dirndl zeigen oder Australier Tafelspitz zubereiten, ist das wohl eher ein positives Statement für eine Kultur, die geschätzt wird. Oder fühlen wir uns beim Anblick eines Afroamerikaners mit Tirolerhut beleidigt? Eben.

Hier zeigt sich bereits die Absurdität der Diskussion. Was die einen als Wertschätzung gegenüber einer anderen Kultur betrachten, empfinden die selbsternannten Kritiker:innen als unzulässige Aneignung. Auffallend dabei ist, dass sie selbst fast immer aus der Dominanzkultur stammen. Sie maßen sich also an, über andere zu urteilen und Minderheiten zu verteidigen, ohne selbst betroffen zu sein.

Und so schließt sich der Kreis: Denn auch diese Demagog:innen betreiben kulturelle Aneignung, indem sie Probleme anprangern, die eine Minderheitenkultur gar nicht hat. Sie machen sich also zu Fürsprecher:innen ohne Mandat und Auftrag. Rasch verbreitet durch die sozialen Plattformen wird aus einer unbedachten Äußerung oder einem ungewöhnlichen Outfit schnell ein künstliches Problem, auf das sich alle anderen Medien dann auch stürzen. Und der Shitstorm beginnt.

Eine umstrittene Frage: Ist das Make-up am Día de Muertos für Nicht-Mexikaner kultureller Austausch oder Aneignung? Foto: Miguel Gonzalez auf Unsplash

Den eigenen Horizont erweitern

Um es auf den Punkt zu bringen: Solche (Schein-)Debatten führen zu nichts. Man kann Political Correctness auch maßlos übertreiben. Mit kulturellem Austausch bereichern wir unser Leben – man denke zum Beispiel nur an die vielen kulinarischen Einflüsse in der österreichischen Küche.

Wir bei öKlo sind offen für alle Kulturen, Geschlechter, Minderheiten oder Andersdenkende. Es zeugt von Respekt und nicht von Ignoranz, wenn Elemente einer anderen Kultur übernommen werden. Was bleibt denn sonst? Kulturelle Vielfalt lebt ja gerade vom Austausch. Und so sollte es auch bleiben.

So, wir waschen nun unsere Rastalocken, schmeißen uns in einen Kimono und bestellen eine Pizza. Dazu trinken wir Coca Cola. Danach gehen wir in Leggins zum Yoga-Kurs, anschließend üben wir Italienisch weiter und drehen daraufhin eine Joggingrunde im Prater. Wir müssen auf die Toilette (ein Wort aus dem Französischen) und benutzen ein in England erfundenes Wasserklosett. Abends essen wir heute beim Perser. Wir schlafen schließlich vor dem Samsung-TV auf unserem Ikea-Sofa ein. Alles klar?

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¹: In der Schweiz wurde im August 2022 ein Konzert der Gruppe „Lauwarm“ unterbrochen, da sich einige Menschen im Publikum wegen der Dreadlocks eines Musikers „unwohl“ fühlten. Auch ein weiteres Konzert der Berner Reggaeband wurde deshalb abgesagt.

²: Der deutsche Ravensburger Verlag stellte im August 2022 den Vertrieb des Kinderbuches „Der junge Häuptling Winnetou“ nach Kritik an „rassistischen Vorurteilen“ und einer „kolonialistischen Erzählweise“ ein und entschuldigte sich.

 

Quellen und weiterführende Informationen:

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