Österreich gehört zu den wasserreichsten Ländern Europas. Klare Bergseen, mächtige Flüsse und sauberes Trinkwasser prägen seit Generationen unser Bild von Natur und Lebensqualität. VIELE VON UNS KENNEN SEIT KLEIN AUF DEN VERGLEICH – WASSER IST UNSER FLÜSSIGES GOLD. Wir drehen den Wasserhahn auf, betätigen die Toilettenspülung oder bewässern unseren Garten – oft, ohne einen weiteren Gedanken daran zu verschwenden.
Doch genau diese Selbstverständlichkeit gerät zunehmend ins Wanken.
In den vergangenen Monaten häuften sich die Berichte über sinkende Grundwasserstände, ausgetrocknete Böden und immer längere Hitzeperioden. Selbst Satellitenbilder zeigen mittlerweile deutlich, wie stark sich unsere Landschaft verändert. Wo früher sattes Grün zu sehen war, dominieren heute vielerorts trockene und braune Flächen. In einigen Regionen Europas leeren sich Stauseen, Flüsse führen weniger Wasser und die Diskussion über den verantwortungsvollen Umgang mit Wasser wird immer intensiver.
Auch in Österreich beschäftigen sich immer mehr Gemeinden mit der Frage, wie die Wasserversorgung langfristig gesichert werden kann. Was vor wenigen Jahren noch undenkbar erschien, ist mittlerweile Realität.
Dabei geht es nicht darum, Panik zu verbreiten. Es geht vielmehr darum, rechtzeitig die richtigen Fragen zu stellen.
Wie viel Wasser verbrauchen wir eigentlich?
Der durchschnittliche Trinkwasserverbrauch in österreichischen Haushalten beträgt rund 130 Liter pro Person und Tag. Gewerbe, Industrie und andere Großverbraucher sind dabei noch gar nicht berücksichtigt. Ein Vierpersonenhaushalt verbraucht damit durchschnittlich rund 190 Kubikmeter Wasser pro Jahr.
Die Zahlen privater Haushalte erzählen jedoch nur einen Teil der Geschichte. Der gesamte jährliche Wasserbedarf in Österreich beträgt rund 3,14 Kubikkilometer beziehungsweise 3,14 Billionen Liter Wasser.
Davon entfallen:
- rund 70 % auf Industrie und Gewerbe
- rund 24 % auf die öffentliche Wasserversorgung
- rund 4 % auf die Landwirtschaft
- rund 2 % auf ausgewählte Dienstleistungen, beispielsweise Beschneiungsanlagen oder die Bewässerung von Golfplätzen
Auch Rechenzentren benötigen große Mengen Wasser. Tausende Server erzeugen rund um die Uhr Wärme und müssen deshalb ständig gekühlt werden.
In Österreich wird dieses Thema derzeit unter anderem im Zusammenhang mit dem geplanten Google-Rechenzentrum in Kronstorf diskutiert. Medienberichten zufolge könnten dort täglich bis zu 5,8 Millionen Liter erwärmtes Kühlwasser in die Enns eingeleitet werden.
Doch auch in privaten Haushalten lohnt sich ein genauerer Blick. Die wenigsten Menschen wissen, wie sich der tägliche Wasserverbrauch zusammensetzt:
- 27 % fließen über Wasserhähne in Badezimmern, Toiletten und Küchen
- 25 % werden für die Toilettenspülung verwendet
- 22 % entfallen auf Duschen und Baden
- 14 % werden im Außenbereich für Pflanzen, Gärten und Pools verbraucht
- 10 % werden für das Wäschewaschen benötigt
- 2 % entfallen auf das Geschirrspülen
Besonders bemerkenswert ist die Toilettenspülung. Mit jeder einzelnen Betätigung verschwinden durchschnittlich sieben bis neun Liter wertvolles Trinkwasser im Abfluss – Wasser, das zuvor aufwendig gewonnen, kontrolliert, aufbereitet und transportiert wurde.

Ein Blick hinter die Kulissen
Nur selten machen wir uns bewusst, welcher Aufwand hinter einem einzigen Glas Wasser steckt.
In Österreich werden rund 93 Prozent der Bevölkerung, also mehr als acht Millionen Menschen, durch zentrale Wasserversorgungsanlagen versorgt. Weitere rund 600.000 Menschen beziehen ihr Trinkwasser aus Hausbrunnen und Quellen.
Das dafür genutzte Leitungsnetz erstreckt sich über mehr als 80.000 Kilometer. Damit könnte man Österreich unzählige Male durchqueren.
Jeder Tropfen Trinkwasser wird gefördert, kontrolliert, gespeichert und über dieses gewaltige Netz bis zu seinem Ziel transportiert. Erst dann fließt er aus unserem Wasserhahn.
Vielleicht sollten wir uns genau deshalb häufiger fragen, wie wir diese Ressource nutzen.
Pools, Rasen und die Frage nach der Verhältnismäßigkeit
Gerade in den Sommermonaten zeigt sich besonders deutlich, wie selbstverständlich Wasser für uns geworden ist.
Wir bewässern unsere Gärten, halten unsere Rasenflächen grün und füllen private Swimmingpools mit wertvollem Trinkwasser. Gleichzeitig verbringen viele Menschen ihren Sommerurlaub am Meer und fahren oder fliegen oft Hunderte oder sogar Tausende Kilometer, um dort zu baden.
Natürlich geht es nicht darum, jemandem den eigenen Garten, den Pool oder den Urlaub wegzunehmen. Es geht auch nicht darum, Schuldige zu suchen.
Es geht um die Frage, wie wir mit einer unserer wertvollsten Ressourcen in Zukunft umgehen wollen.
Alte Lösungen für neue Herausforderungen
Unsere Wasser- und Kanalsysteme gehören zweifellos zu den größten Errungenschaften unserer Gesellschaft. Sie haben die Hygiene verbessert, Krankheiten eingedämmt und Millionen Menschen ein sichereres und angenehmeres Leben ermöglicht.
Doch die Herausforderungen haben sich verändert.
Früher lautete die entscheidende Frage: Wie versorgen wir möglichst viele Menschen mit sauberem Trinkwasser?
Heute müssen wir zusätzlich fragen: Wie setzen wir dieses Trinkwasser möglichst sinnvoll ein?
Dabei geht es nicht darum, bestehende Systeme infrage zu stellen. Vielmehr geht es darum, neue Möglichkeiten zu schaffen und bestehende Lösungen weiterzuentwickeln.
Es geht nicht um Verzicht, sondern um Bewusstsein
Die Diskussion über Wasser wird häufig sehr emotional geführt. Dabei entsteht schnell der Eindruck, dass es nur zwei Möglichkeiten gibt: entweder alles so zu belassen, wie es ist, oder auf vieles zu verzichten.
Doch genau darum geht es nicht.
Es geht um einen bewussteren Umgang mit einer unserer wertvollsten Ressourcen. Es geht darum, langfristig zu denken und Lösungen zu finden, die auch in Zukunft funktionieren.
Unser Fazit
Die Frage ist nicht, ob Wasser wertvoll ist. Die Frage ist, ob wir es auch so behandeln.
Wir bei öKlo beschäftigen uns jeden Tag mit genau dieser Frage. Nicht, weil wir den Menschen etwas verbieten möchten. Nicht, weil wir bestehende Systeme schlechtreden wollen. Sondern weil wir überzeugt sind, dass wir gemeinsam bessere Lösungen finden können.
Öffentliche Toiletten müssen nicht zwangsläufig mit wertvollem Trinkwasser betrieben werden. Genau dafür setzen wir uns seit Jahren ein – auf Festivals, an Badeseen, in Gemeinden, auf Campingplätzen und überall dort, wo Menschen zusammenkommen.
Vielleicht geht es am Ende gar nicht darum, auf etwas zu verzichten. Vielleicht geht es vielmehr darum, neue Wege zu gehen.
Denn die Entscheidungen, die wir heute treffen, werden bestimmen, wie unsere Kinder und Enkelkinder morgen leben.
Und genau deshalb sollten wir Wasser nicht als Selbstverständlichkeit betrachten, sondern als das, was es wirklich ist: eine unserer wertvollsten Ressourcen.

Quelle:
–Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft – Wasserverbrauch Industrie und Gewerbe
–European Space Agency