Was ist eigentlich in unserem Trinkwasser?

Trinkwasser aus Flasche
Wasser ist die häufigste chemische Verbindung im gesamten Universum. Ohne Wasser gibt es kein Leben. Nur 1% der weltweiten Wasservorräte ist direkt als Trinkwasser verfügbar.

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Was ist eigentlich in unserem Trinkwasser?

Wasser ist die häufigste chemische Verbindung im gesamten Universum. Ohne Wasser gibt es kein Leben. Nur 1% der weltweiten Wasservorräte ist direkt als Trinkwasser verfügbar. Die Menschheit hat jedoch ein Problem. Die Verschmutzung unserer Gewässer nimmt immer mehr zu. Gleichzeitig entnehmen wir der Natur mehr Wasser als sie wieder bereitstellen kann.

Dabei benötigen wir sauberes Wasser so dringend wie die Luft zum atmen. Somit macht es nur Sinn, dass wir diese Ressource bestmöglich schützen und für kommende Generationen verfügbar halten. In Österreich verwenden wir etwa 5% des Wassers für die Landwirtschaft, in der Industrie (ohne Kühlwasserbedarf) ca. zwei Drittel und knapp ein Drittel in den Haushalten.  Weltweit sieht dies allerdings anders aus. Rund 70 % des Wassers gehen in die Landwirtschaft, 20 % in die Industrie und 10% in die Haushalte. In den letzten 50 Jahren verdreifachte sich nach UNESCO-Angaben die Wasserentnahme aus Flüssen, Seen und dem Grundwasser.

Der Klimawandel steigert den Wassermangel noch zusätzlich – zumeist in den bereits heute trockensten und ärmsten Regionen der Erde.

Wasserqualität nach EU-Standards vielerorts ungenießbar

Vielleicht hast Du im Urlaub in so manchem Land schon einmal den Tipp bekommen nicht direkt von der Leitung zu trinken, sondern Wasserflaschen an der Hotelbar oder im nächstgelegenen Supermarkt zu kaufen. Der Grund hierfür ist, dass Leitungswasser an vielen Orten nach EU-Standards als ungenießbar oder sogar gesundheitsbedenklich eingestuft wird. Während viele Länder noch mit ihrer Grundwasserversorgung zu kämpfen haben, möchte man meinen, in unseren Breiten sei Wasser aus der Leitung völlig sorglos zu konsumieren. Obgleich das vielerorts auch Stimmen mag, so wissen wohl nur die wenigsten was sich tatsächlich alles in dem Wasser befindet, das wir täglich zum leben benötigen. Weißt Du es?

Die Anforderungen an Trinkwasser sind in den EU-Richtlinien, sowie in der Trinkwasserverordnung vom 5. Dezember 1990 festgelegt. Diese sind umfassende Verordnungen, die bis ins kleinste Detail festlegen wie Dein Leitungswasser unter welchen Umständen aufbereitet sein muss. Da dies allerdings hier den Rahmen sprengen würde, haben wir für Dich die wesentlichen Infos zusammengefasst. Generell lässt sich sagen, Trinkwasser sollte

  • farblos

  • geruchlos

  • klar

  • kühl

  • geschmacklich einwandfrei

sein. Durch Mensch und Umwelt gelangt eine Vielzahl an chemischen Substanzen in den Wasserkreislauf, deren Konzentration so gering wie möglich gehalten werden muss. Gelangen diese Substanzen in unsere Wasserleitung, kann dies  stark negative, gesundheitliche Auswirkungen zur Folge haben. Da es wenig Sinn macht irgendwelche Parameter aufzulisten, die man ohne 2x nachlesen nicht einmal richtig aussprechen, geschweige denn mit der Information etwas anfangen könne, hier ein paar Metalle die jeder kennt und welche sich im Wasser nachweisen lassen, sowie bei zu hoher Konzentration auftretende Folgeschäden.

Aluminium
(Grenzwert: 0,2 mg/l) Eine Überschreitung kann zu Blutanämie (Blutarmut), Arthritis (Gelenkentzündung) oder Beschwerden des Nervensystems führen.

Blei
(Grenzwert: 0,01 mg/l) Wurde am 1. Dezember 2013 von 0,025 auf 0,01 mg/l geändert. Kann bei einer erhöhten Konzentration beispielsweise Bauchkrämpfe, Bluthochdruck, Immunschwäche oder Schlaflosigkeit auslösen.

Kupfer
(Grenzwert: 2,0 mg/l), kann bei häufiger Überkonzentrationen zu Bluthochdruck, einem erhöhten Herzinfarktrisiko und Störungen des Leberstoffwechsels führen.

Natrium
(Grenzwert: 200 mg/l) ist als Spurenelement lebensnotwendig, kann aber bei einer erhöhten Konzentration zu Bluthochdruck führen.

Nickel
(Grenzwert: 0,02 mg/l) führt bei Überschreitung des Grenzwertes gegebenenfalls zu Darmbeschwerden oder sogar zu Hirnschäden.

Nitrat
(Grenzwert von 50 mg/l) bzw. Nitrit (Grenzwert von 0,5 mg/l) wirkt sich bei höheren Konzentrationen negativ auf die Darmschleimhaut und Schilddrüse aus. Beide Stoffe kommen in der möglichen Reaktionskette von Nitrat-Nitrit zu Nitrosaminen vor, welche als krebserregend gelten.

Arzneimittel im Trinkwasser

Anhand dieser Beispiele siehst Du bereits welch ein Privileg sauberes Trinkwasser eigentlich ist. Die Liste der Inhaltsstoffe endet hier jedoch noch lange nicht.

In Österreich werden beträchtliche Mengen an Arzneimitteln verbraucht. Gemäß einer Studie des Umweltbundesamts aus dem Jahr 2016 liegen diese Mengen pro Tag bei mehr als 2 Tonnen – Aufgrund der fortschreitend älter werdenden Bevölkerung Tendenz steigend. Im Rahmen eines Sondermess-Programms wurden deshalb im Herbst/Winter 2017 und im Frühjahr 2018 Untersuchungen zum Vorkommen von Arzneimittelwirkstoffen und Hormonen durchgeführt, die über menschliche und tierische Ausscheidungsprodukte in unsere Gewässer gelangen.

In allen 40 Fließgewässerproben waren zahlreiche Arzneimittelwirkstoffe und Metaboliten (Zwischenprodukt des Stoffwechsels) zu finden. Die Anzahl der nachweisbaren Einzelstoffe lag zwischen 35 und 69 Stoffen. 22 Wirkstoffe und drei Metaboliten waren in fast allen Proben (über 90%) nachweisbar.

Mangels entsprechender Vorschriften von offizieller Seite wird die Arzneimittelkonzentration im Wasser in Wasserwerken nur in Einzelfällen kontrolliert und es werden keine spezifischen Gegenmaßnahmen zur Entfernung der Stoffe unternommen. Mittlerweile sind Arzneimittel wie Schmerzmittel, Antibiotika, Psychopharmaka, Antidiabetika und Antiepileptika  in Abwässern, Flüssen und Seen, aber auch im Grund- und Trinkwasser, sowie im Boden, Klärschlamm und Kompost in ganz Österreich, wenn auch nur in Kleinstmengen nachweisbar.

Diese Analysen verlaufen zumeist im Spurenbereich – sind somit für die menschliche Gesundheit unbedenklich (Quelle: Umweltbundesamt)

Ein vielschichtiges Problem

Nicht nur wir nehmen diese Stoffe über unser Trinkwasser auf! In fast allen Fischen, die wir verzehren, können ebenjene Substanzen wiedergefunden werden. Österreich importiert 94% seines Fischbedarfs aus dem Ausland. Da auch andere Tiere sich von Fisch ernähren, die wiederum vom Mensch gejagt werden, erschließt sich so ein weiterer Weg in unsere Nahrungskette. In anderen Regionen der Erde ist die Arzneimittelkonzentration im Wasserkreislauf um ein vielfaches höher als hierzulande. Oft denken wir nicht darüber nach, was für Auswirkungen diese Inhaltsstoffe für andere Lebewesen haben können. Wusstest Du z.B, dass die Pille für Unfruchtbarkeit bei Fischen sorgt, oder dass Kopfwehtabletten bis zum Organversagen führen können?

Diese Analysen verlaufen zumeist im Spurenbereich – und sind deshalb laut Umweltbundesamt für die menschliche Gesundheit unbedenklich. Auch wenn dem so sein sollte, was wir stark bezweifeln – ist das wirklich notwendig?

 

 

Keimbelastung im Trinkwasser – ein Risiko für den Mensch?

Coliforme Bakterien leben im Darm von Menschen und Tieren und werden daher vor allem durch Fäkalien übertragen, und haben somit in unserem Trinkwasser nichts verloren. Mit coliformen Bakterien belastetes Trinkwasser stellt allerdings per se keine Bedrohung für Unsere Gesundheit dar. Nur jene Erreger, welche Toxine abgeben und damit den Körper schwächen oder schädigen, sind für uns bedenklich. Für Menschen mit Immunschwäche, also Kleinkinder und alte Menschen, kann dies allerdings sogar lebensbedrohlich sein. Um dem entgegenzuwirken, wird in manchen Gebieten das Wasser gechlort. Dies hat keine gesundheitlichen Bedenken, jedoch verleiht die Prozedur dem Trinkwasser einen sehr unangenehmen Beigeschmack. Wenn Du in einer Therme oder einem öffentlichen Bad schon mal versehentlich Wasser geschluckt hast, weißt Du in etwa, wie das dann schmeckt.

Auch in Österreich kommt es immer wieder zu Zwischenfällen, bei denen coliforme Bakterien im Wasser entdeckt werden. Hier handelt es sich allerdings um Einzelfälle und die Bevölkerung wird meist von den Behörden und den Wasserversorgern rechtzeitig gewarnt.

Enterokokken
Ebenfalls Darmbewohner, sind diese Bakterien bei hoher Konzentration sehr gefährlich. Sie haben eine hohe Lebensfähigkeit im Wasser und können auf einen langen Zeitraum der Verunreinigung hinweisen.

Legionellen
Diese Bakterien fühlen sich vor allem im lauwarmen Wasser bei Temperaturen von 20 – 50° Celsius besonders wohl. Während der warmen Sommermonate ist äußerste Vorsicht geboten. Durch die hohen Temperaturen kann es zu einer starken Vermehrung der Legionellen führen. Sie können das meist mild verlaufende Pontiac-Fieber, sowie die schwerwiegende Legionärskrankheit verursachen, die unbehandelt sogar lebensbedrohlich werden kann.

Pseudomonaden
Sie treten bei fehlerhaft geplanten oder älteren Leitungssystemen auf. Pseudomonaden gelten als Verursacher von Lungenentzündungen und Harnwegsinfekten, die ebenfalls besonders Menschen mit schwachem Immunsystem gefährlich werden können.

Biofilm
Im Wasser entstehen organische Ablagerungen, in denen Bakterien und Keime einen attraktiven Nährboden zur Vermehrung vorfinden. Diese Ablagerungen nennt man Biofilm. So wird das Trinkwasser fortwährend aus Keimherden kontaminiert. Diese Herde müssen gründlich und vollständig entfernt werden, da sie sonst immer wieder entstehen.

Ist unser Wasser überhaupt noch konsumierbar?

Das alles mag nun so klingen, als könne man Wasser gar nicht mehr anfassen, ohne seinen Körper zu schädigen. Jedoch darf man nicht vergessen, dass diese Stoffe durch die Trinkwasseraufbereitung weitestgehend aus unserem Trinkwasser entfernt werden. Österreich kann im Gegensatz zu vielen anderen Ländern seinen Trinkwasserbedarf fast zur Gänze aus geschützten Grundwasservorkommen decken. Es gelangt zumeist in natürlichem Zustand und mit durchwegs ausgezeichneter Qualität in unsere Haushalte. Rund 5.500 Wasserversorgungsunternehmen versorgen die Bevölkerung mit qualitativ hochwertigem Trinkwasser, das den strengen gesetzlichen Auflagen entspricht.

Auch wenn ständige Analysen und Qualitätskontrollen sicherstellen, dass Du dein Trinkwasser ohne Bedenken zu Dir nehmen kannst, so fordern wir dennoch neue Lösungsansätze und bessere Methoden zur Trinkwasseraufbereitung. Denn ohne uns Menschen, waren unsere Gewässer schließlich noch sauber und Mutter Natur benötigt uns nicht, wir sie jedoch schon.

Trinkwasser
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